Glaskunst im Haus am Baum in Trier
Es gibt unzählige bemerkenswerte Darstellungen von diesem bemerkenswerten Menschen Martin.
Hier werden wir im Laufe der Zeit eine Sammlung dieser Zeugnisse anhäufen und diese Kompilation interessanter Fundstücke ständig erweitern.
Foto: W. Raab
Es zeigt den hl. Martin vor einem goldstrahlenden Hintergrund hoch zu Ross, der seinen Soldatenmantel mit dem Schwert zerteilt, um dem vor ihm knieenden Bettler den halben Mantel zu schenken, damit er nicht erfriert. Das Pferd ist das Erkennungszeichen für den römischen Soldaten/Offizier geworden – es ist auf den meisten Martinsdarstellungen zu finden.
St. Martin-Kirche Trier,
Foto. W. Raab
aus der Martinsvita, dem Liber Florum des Thiofrid von Echternach beigebunden, cod. 1378/103 4°
Foto: Anja Runkel
Hergestellt in Ohrid, Nord-Mazedonien,2024.
Dragan Nelowski ist ein Künstler aus Nord-Mazedonien, der vor allem Schnitzereien von Heiligen aus dem osteuropäischen Raum herstellt.
Martinus-Standbild in der Stützmauer vor Forstamt Hermeskeil
katholische Pfarrkirche St. Martin in Fell (Mosel)
Foto: HG Reuter
ehemaliger Zehnt- und Wirtschaftshof der Abtei St. Martin in Trier-Pallien
Foto W. Raab
Foto W. Raab
Foto: R. Heyen, AKD
Foto HG Reuter
Fotos: W. Raab
Morscheid, katholische Pfarrkirche St Martin
Wandgemälde in der Martinskirche in Mertesdorf,
Foto: W. Raab
Künstler: Steinmetz-Arbeit, Konzeption des Niederanvener Pastors Joseph Bertrang
Hellegesteen, 1931,
Foto: Martin Lörsch
Künstler: Ernemann Sander
am Bonner Münster,
Foto: Leif Hofheinz
Martins Eintreten für Priszillian vor dem Kaiser Maximus
Künstler: Albert Burkart
Martinuskirche in Leutkirch,
Foto: Roland Rasemann
Künstler: Karl Ulrich Nuss
Martinusskulptur auf dem Eugen-Bolz-Platz in Rottenburg, 2008,
Foto: Wolfgang Schmidt, Ammerbuch
Miniatur aus dem Fuldaer Sakramentar, um 975, Universitätsbibliothek Göttingen, fol-113r-hl-martin
Altarbild in Trier-St. Martin,
gefertigt 1914 von B. Jansen,
Foto W. Raab
Zwei unterschiedliche Darstellungen in einer Kirche:
St. Martin in Trier.
Martin als Soldat, der mit dem Bettler den Mantel teilt - Martin als Bischof von Tours mit Gans.
Altarbild und ein Fenster in Trier- St. Martin
Das Mosaik des Kirchenpatrons im Hochaltar der neoromanischen Kirche St. Martin im Trierer Maar-Viertel, heute Teil der Pfarrei St. Paulin, entstand 1914. Es zeigt den hl. Martin vor einem goldstrahlenden Hintergrund hoch zu Ross, der seinen Soldatenmantel mit dem Schwert zerteilt, um dem vor ihm knieenden Bettler den halben Mantel zu schenken, damit er nicht erfriert. Das Pferd ist das Erkennungszeichen für den römischen Soldaten/Offizier geworden – es ist auf den meisten Martinsdarstellungen zu finden. Seltener ist die Gans als Begleittier des Bischofs Martin, eher im ländlichen Bereich anzutreffen. Einer mittelalterlichen Legende nach verrieten schnatternde Gänse Martin, der sich in einem Gänsestall versteckt hatte, weil er nicht Bischof von Tours werden wollte. In der Trierer Kirche St. Martin finden wir sie auch: eine kleine blaue Gans zu Füßen des Bischofs im Martinsfenster. Es ist wohl einmalig, dass an einem Ort die beiden Begleittiere des hl. Martin, seine Erkennungszeichen (Pferd und Gans), dargestellt sind.
Die Begegnung mit Christus - im Bettler und in der Traumvision - bleibt eine grundlegende Erfahrung in Martins Leben. Martin lässt sich taufen – fürwahr ein Christusnachfolger, s. Dialog III, 10,5
Die ganz alten und die neuesten Darstellungen zeigen den hl. Martin, der vom Pferd abgestiegen ist und sich auf einer Ebene mit dem Bettler befindet. Durch das Herbsteigen vom hohen Ross und das Zerschneiden seines Soldatenmantels gibt er seinen hohen sozialen Status auf. Und nimmt den Spott seiner Mitmenschen in Kauf.
Der Arme, der am Wegrand beim Stadttor bettelt, wurde ursprünglich als „nackter Bettler“ abgebildet, wie es im Text heißt. Später wird er zeitgemäß als krank, gelähmt, beinamputiert, mit Aussatz behaftet dargestellt.
Hans-Georg Reuter
St. Martin-Kirche Trier, Künstler Adolf Herres 1914. Foto: W. Raab
Sehr viel seltener als die Mantelspende ist in der bildenden Kunst die Christusvision dargestellt. Martin ruht auf seinem Lager. Sein Schwert, der Helm, die Hellebarde. die Lanze und der Wappenschild sind Randfiguren: sie kennzeichnen den Schlafenden als den Soldaten Martin. Wichtig ist der Augenkontakt von Martin und Christus. Jesus Christus in der Mandorla zeigt die Mantelhälfte, die Martin dem Bettler geschenkt hatte. „Alsbald hörte er Jesus laut und deutlich zu der Menge der umstehenden Engel sagen: Martin, der noch Katechumene (Taufbewerber) ist, hat mich mit diesem Gewand bedeckt“ (Vita Martini, 3,3). Die Konsequenz aus dieser Vision: Martin lässt sich taufen. Sein Leben ist neu orientiert.
Beide Wandgemälde haben den gleichen gemalten Rahmen und den gleichen dunkelroten Hintergrund; sie gehören zweifellos zueinander. Die Mantelspende ist ohne ihre Fortsetzung unvollständig. In der Schweicher Martinskirche hat man dafür eine gute Lösung gefunden.
Hans-Georg Reuter
Wandgemälde
in der Kirche St. Martin in Schweich
Kölner Atelier Johann Schneider 1905-06
Fotos: W. Raab
An der Stirnwand der beiden Seitenschiffe sind zwei Szenen aus Martins Leben dargestellt, die zusammenhängen: links die Mantelteilung, rechts die Christusvision im Traum.
Ein jugendlicher Reiter, gerüstet wie ein mittelalterlicher Ritter ohne Kopfbedeckung (dafür mit einem Heiligenschein) auf einem bräunlichen Ross reitend. Er zerschneidet mit dem Schwert seinen braunen Mantel. Vor ihm der Bettler, in Lumpen gekleidet. Er hält schon die Hälfte von Martins Mantel in beiden Händen. Die Blicke der beiden sind einander zugewandt.
Martinsaltar in Fell
Foto W. Raab
Gedanken zu den beiden Martinsdarstellungen in Fell
Über dem Portal der Kirche in Fell ist zuerst die Figur des Offiziers in der römischen Gardereiterei zu sehen – St. Martin hoch zu Ross. Er zerschneidet mit dem Schwert seinen Soldatenmantel und schenkt die Hälfte einem (kriegs-)versehrten armen Mann. Die Bildunterschrift in goldenen Lettern: „St. Martinus, bitte für uns“; ein Stoßgebet, das jeder, der die Martinskirche betritt, mitspricht.
In der Kirche zieht der fein geschnitzte Baldachinaltar die Augen auf sich. Auf der linken Seite (klassisch die „Frauenseite“!) sieht man die Figur der hl. Barbara, erkennbar am Kelch mit der Hostie. Der Legende nach brachte ihr ein Engel die Eucharistie in den Turm (der ist ein anderes Kennzeichen für die heilige Barbara), in den ihr Vater sie eingesperrt hatte. So wurde sie zur Schutzpatronin der Bergleute. In Fell wurde Jahrhunderte lang Schiefer unter Tage abgebaut.
Auf der rechten Seite des Altars ist der Kirchenpatron als Bischof dargestellt. Schon der Name Fell (val, vallis – Tal) deutet auf römischen Ursprung hin. Eine Nebenstrecke der Römerstraße von Trier nach Mainz, gab dem Ort eine exponierte Verkehrslage, siehe Ausonius, Mosella. Fell gehörte im Mittelalter zum Grundbesitz der Benediktinerabtei St. Maximin in Trier. Bischof Martin ist hier eindeutig erkennbar durch sein „Begleittier“, eine Gans. Schnatternde Gänse hatten ihn verraten, als er sich in einem Gänsestall versteckt hatte, weil er nicht Bischof von Tours werden wollte. Vorbild sind die kapitolinischen Gänse: um 390 v. Chr. sollen Gänse durch ihr Geschnatter die Römer geweckt haben, als die Gallier versuchten, in der Nacht heimlich in die Stadt einzudringen. Seitdem gelten die Gänse als wachsam, ja als prophetisch.
So sind in der Feller Kirche beide Erkennungszeichen für den heiligen Martin zu sehen: das Pferd und die Gans. Und damit erinnern sie uns an den noch nicht getauften Soldaten und an den Bischof.
Hans-Georg Reuter
Martinsskulptur in Fell,
Foto: W. Raab
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Eine wehrhafte Stadtmauer, verschlossene Tore - die sich dahinter geborgen wissen, werden von den Habenichtsen draußen beneidet.
Ein römischer Soldat ist vom Ross herabgestiegen und beugt sich voll Mitleid über einen leicht bekleideten Armen; liebevoll er hüllt ihn ein in die Hälfte seines roten Mantels. Zwei, die heute Nacht nicht erfrieren werden, Martin und der Bettler.
Im Bild sind sie nicht zu sehen, aber die Vita Martini berichtet von den Reaktionen der Zuschauer auf das Geschehen vor den Toren von Amiens. Die einen lachen über den Gutmenschen, andere schämen sich, weil sie den Armen hätten bekleiden können, ohne sich selbst zu entblößen, und es nicht getan haben.
Martins Traum steht im Mittelpunkt des Bildes: In heller Mandorla zeigt sich ihm Jesus Christus, nur mit der roten Mantelhälfte bekleidet, die er zuvor dem Bettler und damit ihm geschenkt hat: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40).
Links oben ist zu sehen, wie Martins Barmherzigkeit bis in die Gegenwart Menschen inspiriert. Eine Person mit dem halben roten Mantel gibt einem Kind zu essen. Dahinter eine große Schlange von Bedürftigen, Kranken, Heimatlosen. Über ihnen wird der Himmel so hell wie die Mandorla um den Weltenrichter Christus.
Wo einst die alte Martinuskirche in Hermeskeil stand, erinnert eine große Sandsteinplastik in der Koblenzer Straße an den Kirchenpatron: St. Martin, der seinen Mantel mit dem armen Mann teilt. Aber hier fehlt das Schwert, das den Mantel in zwei Teile schneidet (das findet man jedoch im Wappen von Hermeskeil). Hier breitet der Reiter seinen warmen Mantel schützend über den Bettler, bewahrt so beide vorm Erfrieren. In der Kunstgeschichte kennt man die Schutzmantelmadonna, unter deren Mantel sich viele Menschen schutzsuchend drängen; gut bekannt ist auch das Lied „Maria, breit den Mantel aus, mach Schutz und Schirm für uns daraus“. Daran mag der Hermeskeiler Bildhauer Matthias Müller gedacht haben, als er diese ausdruckstarke Skulptur 1969 angefertigt hat.
Hans-Georg Reuter
Das Mosaik des Kirchenpatrons im Hochaltar der neoromanischen Kirche St. Martin im Trierer Maar-Viertel, heute Teil der Pfarrei St. Paulin, entstand 1914. Es zeigt den hl. Martin vor einem goldstrahlenden Hintergrund hoch zu Ross, der seinen Soldatenmantel mit dem Schwert zerteilt, um dem vor ihm knieenden Bettler den halben Mantel zu schenken, damit er nicht erfriert. Das Pferd ist das Erkennungszeichen für den römischen Soldaten/Offizier geworden – es ist auf den meisten Martinsdarstellungen zu finden. Seltener ist die Gans als Begleittier des Bischofs Martin, eher im ländlichen Bereich anzutreffen. Einer mittelalterlichen Legende nach verrieten schnatternde Gänse Martin, der sich in einem Gänsestall versteckt hatte, weil er nicht Bischof von Tours werden wollte. In der Trierer Kirche St. Martin finden wir sie auch: eine kleine blaue Gans zu Füßen des Bischofs im Martinsfenster. Es ist wohl einmalig, dass an einem Ort die beiden Begleittiere des hl. Martin, seine Erkennungszeichen (Pferd und Gans), dargestellt sind.
Die Begegnung mit Christus - im Bettler und in der Traumvision - bleibt eine grundlegende Erfahrung in Martins Leben. Martin lässt sich taufen – fürwahr ein Christusnachfolger, s. Dialog III, 10,5
Die ganz alten und die neuesten Darstellungen zeigen den hl. Martin, der vom Pferd abgestiegen ist und sich auf einer Ebene mit dem Bettler befindet. Durch das Herbsteigen vom hohen Ross und das Zerschneiden seines Soldatenmantels gibt er seinen hohen sozialen Status auf. Und nimmt den Spott seiner Mitmenschen in Kauf.
Der Arme, der am Wegrand beim Stadttor bettelt, wurde ursprünglich als „nackter Bettler“ abgebildet, wie es im Text heißt. Später wird er zeitgemäß als krank, gelähmt, beinamputiert, mit Aussatz behaftet dargestellt.
Hans-Georg Reuter
Allzu zahlreich sind die Darstellungen nicht, die mehrere Szenen aus dem Leben des hl. Martin nebeneinander zeigen. In der Martinskirche in Leutkirch im Allgäu ist das der Fall. An der Stirnwand im rechten Seitenschiff sehen wir in weißem Ornat den Bischof Martin, deutlich erkennbar durch seine Begleitfigur, eine „prophetische“ Gans zu seinen Füßen. Um ihn herum gruppiert sechs Begebenheiten aus seinem Leben: die Mantelteilung vor Amiens und die Vision, in der der schlafende Soldat Jesus sieht, der mit dem Mantelstück bekleidet ist, das Martin dem Bettler geschenkt hatte. Darüber die Taufe Martins und der Priester Martin, wie er die hl. Messe feiert. Und neben der Bischofsfigur Martin vor Kaiser Maximus, den er beschwört, den Irrlehrer Priszillian nicht zum Tod zu verurteilen. Auf der anderen Seite heilt der Bischof Martin (in Trier) ein todkrankes Mädchen. Zwei Engel neben seinem Kopf halten Spruchbänder mit dem ersten Vers von Psalm 112: Selig der Mann, der den Herrn fürchten, der große Freude hat an seinen Geboten.
Der Maler Albert Burkard (1898-1982) ist einer der bedeutendsten Maler kirchlicher Monumentalmalerei. Seine kirchlichen Kunstwerke nach 1933 spiegeln seine Opposition zum Nationalsozialismus. Darauf kann dieses prächtige Fresco
in der Kirche in Leutkirch im Allgäu aus dem Jahr 1936 hinweisen. Zwei Szenen spielen in Trier. So mutig wie Bischof Martin dem Kaiser Maximus entgegentritt, wünschte er sich das Eintreten der Kirche für das „unwerte Leben“ der verfolgten Minderheiten in der Nazizeit, Auch die Heilung eines todkranken Kindes zeigt, dass es für ihn kein „unwertes Leben“ gibt.
Über einem Tor des beeindruckend großem Wirtschaftsgebäudes sehen wir eine schöne Martinsdarstellung (in der Kartusche über dem Relief in Goldbuchstaben geschrieben „S(anctus) Martinus“ (eigentlich überflüssig, denn das Bild spricht für sich). Martin in weißer Uniform auf einem Schimmel reitend, blickt den Bettler (dargestellt mit Krückstock und Tasche für die erhofften milden Gaben) direkt an und schenkt ihm seine Mantelhälfte.
Die Abtei St. Martin (heute ein Studierendenwohnheim) schräg gegenüber auf der anderen Moselseite gelegen, sammelte und verarbeitete hier die Einkünfte aus Feld, Wingert und Wald der zinspflichtigen Eifeldörfer, den Lebensunterhalt der Mönche. Ob sie Martins vorbildliches Teilen wohl immer ernstgenommen haben? Folgen wir wenigstens manchmal seinem Beispiel?
Der Ortsname Pfalzel (lat. Palatiolum, kleine Pfalz) lässt an eine kleine Residenz der römischen Kaiser in Trier denken. In der Mitte des 4. Jahrhunderts wurde diese Festung aufgrund von Überfällen der Franken errichtet. Die hl. Adula, Tochter der hl. Irmina von Trier, gründete hier um 710 ein Frauenkloster. Poppo von Babenberg wandelte es in ein Kanonikerstift um. Die Pfarrkirche in Pfalzel hat den hl. Martin zum Patron. Sie wurde aufgelöst und mit der Marienstiftskirche unter dem Namen „St. Marien und St. Martin“ vereinigt. Die alte Pfarrkirche wurde 1962 umgebaut zum Pfarrheim. Am Westturm erinnert eine sehr schöne alte Steinplastik, die Martins Mantelspende zeigt, an die vormalige Pfarrkirche.
Es kommt nicht von ungefähr, dass die Mantelteilung die häufigste Art der künstlerischen Darstellung des hl. Martin ist. Seine Tat der Nächstenliebe vor den Toren von Amiens inspirierte die Künstler durch die Jahrhunderte hindurch und mahnte eindringlich dazu, sie nachzuahmen. Im Französischen heißt die Mantelteilung bezeichnenderweise „La Charité“, die Nächstenliebe.
Zu Recht vermutet man in Amiens eine Erinnerung daran, was damals so Beeindruckendes hier geschah. Von 1073 bis 1631 tat das die Abtei „St. Martin-aux-Jumeaux“. 1797 wurden in diesen Gebäuden die Revolutionsgerichte installiert. 1865-1880 wurde das neue Palais de Justice errichtet. An die Szene von Martins anzunehmender Mantelteilung erinnert an der Wand des Justizpalastes ein Relief von J. Samson aus dem Jahr 1850.
Palais de Justice in Amiens
Foto: Dr. Hermann-Josef Ant
Das Martinsdenkmal in Niederanven Hellegesteen (an der Rue des Romains) erinnert an Martins Rast auf dem Heimweg von Trier nach Tours (mehr hier: Martin in Trier Nr.8, Nr. 9 und Nr.10) Kaiser Maximus hatte ihn vor die Wahl gestellt, entweder die Kommuniongemeinschaft mit den Bischöfen, die die Hinrichtung des „Ketzers“ Priszillian betrieben hatten, wieder aufzunehmen oder die Verfolgung der Anhänger des hingerichteten Bischofs Priszillian geht weiter. Und daran wäre dann Martin schuld. In diesem Dilemma entschied sich Martin, an der Weihe von Bischof Felix teilzunehmen. „Während der Heimreise seufzte er voll Betrübnis darüber, dass er, wenn auch nur kurze Zeit, sich in eine so verderbliche Gemeinschaft eingelassen habe. Es war nicht weit von dem Orte, der Andethanna(= Niederanven/Luxemburg) heißt; hier führte der Weg durch endlose Waldeinsamkeiten. Martinus setzte sich nieder; er dachte über die Ursache des betrübenden Vorkommnisses nach. Bald warfen ihm seine Gedanken Schuld vor, bald sprachen sie ihn frei. Plötzlich stand ein Engel vor ihm und sprach: "Martinus, mit Recht verurteilen dich Gewissensbisse; allein es gab für dich keinen anderen Ausweg. Fasse wieder Mut, werde wieder fest“ (Dialoge III, 12).
Das Denkmal zeigt Bischof Martin, an dessen Wade sich ein kleiner Engel schmiegt. Eigentlich sollte der himmlische Gottesbote doch richtig groß dargestellt sein, dieser Engel, der Martins Dilemma kennt und ihn tröstet: „Mit Recht verurteilen dich Gewissensbisse, allein, es gab für dich keinen anderen Ausweg.“ In einer Dilemmasituation ist jede Entscheidung nicht frei von Schuld. Aber nicht immer gibt es himmlischen Trost, der so aufrichtet, wie es hier dargestellt ist. Vielleicht wollte der Künstler schon die Wirkung der Tröstung durch den Engel zeigen. Beim Kirchenfester in Niederanven sind die Dimensionen umgekehrt: der verzweifelte Bischof Martin liegt am Boden und der tröstende Engel kommt von oben, um ihn aufzurichten. Das entspricht dem Text des Sulpicius Severus eher.
Diese Szene von Martins Tröstung durch den Engel ist in Luxemburg weit verbreitet, so wie bei uns die Darstellungen von Martins Mantelspende. Die Sauer ist in mancherlei Hinsicht wirklich eine Grenze. Der Europäische Kulturweg St. Martin von Tours will helfen, sie zu überwinden.
Fotos: Prof. Dr. Martin Lörsch
In der darstellenden Kunst gibt es kaum ein Werk, das von dem erzählt, was der heilige Martin gegen Ende seines Lebens in Trier erlebt und erlitten hat. Martin mischt sich ein in die Politik. Er setzt sich bei Kaiser Maximus dafür ein, dass der Irrlehrer Priszillian nicht als Ketzer zum Tod verurteilt wird – und bringt damit sogar sich und seine Mönche in Lebensgefahr. So groß ist sein Respekt vor dem Leben eines Menschen! Deshalb hat er Kranke geheilt, Besessene von bösen Geistern befreit, den Bettler vorm Erfrieren gerettet. Der Kaiser verspricht, dass kein Bluturteil gegen den Angeklagten erfolgen soll. Aber später hält er sein Versprechen nicht. Es kommt 386 zum „Blutspruch von Trier“ (mehr hier: Martin in Trier Nr.8 und Nr.9), Priszillian wird in Trier öffentlich hingerichtet.
Am Bonner Münster befindet sich unter den Metallplastiken zum Leben des heiligen Martin von Ernemann Sander auch diese, die Martins Eintreten für Priszillian vor dem Kaiser so ausdruckstark zeigt. Bischof Martin steht aufrecht vor dem Kaiser Maximus, der ihn auf dem Thron sitzend aufmerksam lauschend anblickt. Rechts ein Protokollschreiber, links wohl Berater des Kaisers. Im Polizeigriff wird der angeklagte Bischof Priszillian vorgeführt. Martin steht vermittelnd in der Mitte zwischen Priszillian und dem Kaiser. Die linke Hand zeigt auf den Angeklagten, die rechte auf den Kaiser. Bischof Martin dominiert das Bild und das Geschehen. Schade, dass es so eine Darstellung nicht in Trier gibt!
Martins Mantelspende ist die beliebteste Darstellung des hl. Martin. Der jugendliche römische berittene Gardeoffizier begegnet vor den Toren von Amiens in kalter Winternacht einem kaum bekleideten Armen. Aus Mitleid zerschneidet er seinen pelzgefütterten Umhang und gibt die Hälfe dem Bedürftigen, um ihn vor dem Erfrieren zu retten. Das ist nicht nur eine zu Herzen gehende Tat der Barmherzigkeit, sondern zugleich durch die Jahrhunderte hindurch ein Ansporn, es dem Heiligen nachzumachen: Leben zu retten, wo immer es bedroht ist.
Das hochbarocke Relief am Westflügel des Martinsklosters, der ehemaligen Benediktinerabtei St. Martin am Moselufer, ist wohl das bekannteste Bild des hl. Martin in Trier. Diese kleinste der fünf Benediktinerabteien in Trier führt ihre Gründung legendär auf den heiligen Martin persönlich zurück. Leider bezeugt erst eine Handschrift aus dem Jahr 1614 dies Ereignis. Alle großen Klöster hatten Reliquien, die Pilger anzogen: St. Matthias den Leib des hl. Apostels, die Abtei St. Maria ad Martyres ein Kleid der Gottesmutter Maria, der Dom den Heiligen Rock, die mit großem Besitz ausgestattete Reichsabtei St. Maximin die Reliquien dieses großen Bischofs der Gründerzeit. Martins Mäntelchen war von Anfang an im Besitz der französischen Könige, sein Haupt wird in Utrecht verehrt. Womit kann man das Ansehen dieser kleinen Abtei vermehren? Die Gründung der Abtei durch den hl. Martin persönlich soll Pilgerströme hierherziehen.
Die Wirtschaftsgebäude der Abtei lagen auf der anderen Seite der Mosel, in Pallien. Hier wurde der Zehnt von allem, was der Acker, der Wald, die Weinberge und das Vieh der zinspflichtigen Höfe und Häuser hervorbrachte, abgeliefert und gespeichert zum Lebensunterhalt der Mönche. Das stattliche Gebäude des Martinerhofs imponiert noch heute. Auch hier zeigt ein schönes Relief des mantelteilenden Martin, wem das Bauwerk gehört (hier Steinplastik am Martinerhof). Die drei Martinskirchen in der Stadt Trier folgen dem Vorbild der vormaligen Abtei St. Martin; sie zeigen alle ein Relief von Martins Mantelspende.
Drei Martinskirchen in einer Stadt, das ist ungewöhnlich. Aber die Erklärung ist einfach. Bevor Pfalzel und Zewen in die Stadt Trier eingemeindet worden sind, waren es eigenständige Gemeinden, alle mit einer Pfarrkirche. Wie viele andere Gemeinden hatten sie den hl. Martin als Kirchenpatron. Durch die Zusammenlegung vieler bis dahin selbständiger Pfarreien in unseren Tagen schwindet der Name des hl. Martin aus den Pfarreinamen zugunsten der neuen „Großgemeinden“: Pfarrei St. Martin im Maarviertel ->Trier St. Paulin, Pfarrei St. Martin in Pfalzel ->Pfarrei Adula und Gregor von Pfalzel, Pfarrei St. Martinus in Zewen ->Pfarrei Maria im Westen. Aber noch erinnern die alten Steinreliefs an den drei Martinskirchen in Trier an den Heiligen der Nächstenliebe.
Als nach der Säkularisation aller Klöster 1802 zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Nachbarschaft der ehemaligen Abtei St. Martin eine neue Pfarrei im Maarviertel gegründet wurde, erhielt sie den Namen St. Martin. Wie das Martinskloster an einer gut sichtbaren Stelle ein Relief der Mantelteilung als Kennzeichen hatte, bekam auch die neue Martinskirche ein großes Bild von Martins Tat der Nächstenliebe auf die Schauseite der Kirche, quasi als Hausnummer: Das ist eine Martinskirche! Das Martinsrelief hier ist viel größer als das farbige barocke Relief am Martinskloster, und doch wenig bekannt. Bei der Fülle von Heiligendarstellungen auf der Giebelseite und dem reichen Innenschmuck der Kirche ist das verständlich. Hatte der arme Mann auf dem Relief einen Krückstock als Zeichen seiner Bedürftigkeit, ist er hier im Sinn des Textes von Sulpicius Severus eher für die frostige Nacht zu. ärmlich bekleidet. Martin blickt den armen Mann an, der schaut bittend zum Reiter mit seinem warmen Umhang. Als er davon ein Stück erhält, braucht er die tödliche Frostnacht nicht mehr zu fürchten.
Viel älter als die hundertjährige Kirche im Maarviertel ist die Pfarrkirche in Pfalzel, die 1962 aufgelöst und mit der Marienstiftskirche zusammengelegt wurde. Aus der Kirche wurde ein Gemeindezentrum. Aber am Turm der Kirche zeigt heute noch ein Relief mit Martins Mantelspende, wer der Patron dieser Kirche war (hier das Relief in Pfalzel).
Auf der linken Moselseite befindet sich die Kirche St. Martinus in Zewen. Viele alte Schätze, die an den hl. Martin erinnern, befinden sich in dieser modernen Kirche, die auf Vorgängerkirchen zurückgeht. An der Wand des Jugendheims neben der Kirche mit Blick zur Straße befindet sich wieder ein schönes Relief des hl. Martin mit dem Bettler. Der Zeit gemäß ist der Bettler aus der Vita des hl. Martin in einen Mann verwandelt, der ein Holzbein hat. Diese hilfsbedürftigen Menschen kannte man in Stadt und Land, sie klopften immer wieder an die Haustür mit der Bitte um eine milde Gabe.
Drei Martinskirchen in einer Stadt, das ist ungewöhnlich. Aber die Erklärung ist einfach. Bevor Pfalzel und Zewen in die Stadt Trier eingemeindet worden sind, waren es eigenständige Gemeinden mit einer Pfarrkirche. Wie viele andere Gemeinden hatten sie den hl. Martin als Kirchenpatron. Durch die Zusammenlegung vieler bis dahin selbständiger Pfarreien in unseren Tagen schwindet der Name des hl. Martin aus den Pfarreinamen zugunsten der neuen „Großgemeinden“: Trier St. Paulin, Pfarrei Adula und Gregor von Pfalzel, Pfarrei Maria im Westen. Aber noch erinnern die alten Steinreliefs an den drei Martinskirchen in Trier an den Heiligen der Nächstenliebe.
In der Nähe der Rottenburger Bischofskirche St. Martinus beeindruckt die moderne Darstellung von Martins Mantelspende. Martin und der Bettler begegnen sich auf Augenhöhe, beide quasi nackt, beide bedürftig. Der Bettler hält in seinen ausgebreiteten Händen ein Stück vom Tuch, das Martin gerade mit dem Schwert durchschneidet, damit er auch selbst etwas davon behält, um nicht zu erfrieren. Teilen meint ja nicht: alles hergeben. Und: teilen kann man nicht vom hohen Ross herab. Zum Teilen muss man sich in den anderen hineindenken, ihn anschauen. Das tut hier Martin exemplarisch, das sollen auch wir tun und dann handeln wie er. Dafür braucht man kein Reittier: Martins Pferd ist hier gerade mal angedeutet, damit auch jeder erkennt: hier geht es um Martins beispielhaften Akt der Nächstenliebe.
Um 975 ist die älteste uns erhaltene Darstellung von Martins Mantelspende entstanden, eine Miniatur, die vermutlich nach einem Wandgemälde in der längst zerstörten Grabeskirche des hl. Martin in Tours gestaltet ist. Sie befindet sich in einem Fuldaer Sakramentar, das heute in der Universitätsbibliothek in Göttingen aufbewahrt wird.
Links sehen wir, wie Martin seinen Mantel vor der Stadtmauer von Amiens mit dem Bettler teilt. Dabei fällt auf, dass Martin nicht beritten dargestellt ist. Er befindet sich auf einer Ebene mit dem kaum bekleideten Mann, der die frostige Nacht so sicher nicht überleben kann. Die Mantelteilung (wie jedes echte Teilen) hebt den Unterschied von "oben" und "unten", von reich und arm auf.
Rechts schläft Martin und erkennt Christus, der ihm im Traum erscheint, mit der Mantelhälfte bekleidet, die er kurz vorher dem Bettler geschenkt hatte, damit er nicht erfriert.
In der Mitte des Bildes thront Christus, der Weltenrichter in der Mandorla. Seine rechte Hand zeigt auf das Geschehen vor den Toren Amiens. Zu den Engeln, die ihn begleiten, sagt er: "Martin, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Gewand bedeckt“. Da klingt für uns die Rede vom Weltgericht mit: „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25, 40).
Die Engel in seiner Begleitung tragen in ihren Händen Kelche mit Wein und das eucharistische Brot, gekennzeichnet durch das Kreuz: Gottesdienst und Bruderdienst sind nicht voneinander zu trennen.