Es lohnt sich auch der Mühe, vertrauliche Äußerungen voll geistiger Würze aus dem Munde Martins anzuführen

Worte aus Martins Mund

Martin nimmt die Schöpfung mit offenen Augen wahr und deutet, was er sieht als Gleichnis wie Jesus
3. Brief 1

Einmal fiel sein Blick zufällig auf ein frisch geschorenes Schaf. Da sagte er: "Dieses Tier hat die Vorschrift des Evangeliums erfüllt: zwei Röckchen hatte es, eines schenkte es dem, der keines hatte1 . So sollt auch ihr tun." 2. Dialog 10
Unterwegs sah er, wie in einem Flusse Tauchervögel auf Fische Jagd machten. Ihr gefräßiger Kropf war mit einer Unmenge erbeuteter Fische ganz vollgestopft. Da sprach Martinus: „Das ist ein Bild der Teufel: sie stellen den Sorglosen nach, fangen die Achtlosen, verschlingen die Beute und können sich am Fräße doch nicht ersättigen“. Dann gebot er den Vögeln mit machtvollem Worte, sie sollten die Gewässer, auf denen sie schwammen, verlassen und ausgedörrte, öde Landstriche aufsuchen. Er zeigte hierbei diesen Vögeln gegenüber dasselbe Machtgebot, mit dem er gewöhnlich die Teufel in die Flucht jagte. Sofort scharten sich die Vögel zusammen, verließen alle auf einmal den Fluß und zogen den Bergen und Wäldern zu. Viele wunderten sich, an Martinus eine solche Wunderkraft zu beobachten, daß er sogar den Vögeln gebieten konnte. 

2. Dialog 10 

Als er ein andermal einen Schweinehirten erblickte, der vor Frost zitterte und mit einem Felle nur notdürftig bekleidet war, sprach er: "Sieh da, Adam; aus dem Paradies verstoßen, mit einem Fell bekleidet2 , weidet er Schweine. Wir aber sollen den alten Adam, der noch in diesem fortlebt, ablegen und dafür den neuen3 anziehen." 

2. Dialog, 9

Als Martinus einmal Pfarreien visitierte, trafen wir auf eine Jägerschar. Hunde jagten einem Hasen nach. Das Tierlein hatte nur mehr einen ganz kleinen Vorsprung. Ringsum war freies Feld, nirgends bot sich ein Schlupfwinkel. Es lief im Zickzack, um das drohende Todesverhängnis noch aufzuhalten, schon der nächste Augenblick mußte ihm ja den Garaus machen. Bei seiner erbarmenden Milde ging dem Heiligen die gefahrvolle Lage des Tierleins zu Herzen. Er befahl den Hunden, von der Verfolgung abzustehen und das flüchtige Tier entkommen zu lassen. Das erste Wort brachte sie sofort zum Stehen, als hätte man sie festgebunden, ja als hafteten sie vielmehr wie angewurzelt an ihrem Platze. So entwischte das Häslein mit heiler Haut seinen festgebannten Verfolgern.

3. Dialog, 9

Eine Schlange durchfurchte das Wasser und schwamm dem Ufer zu, auf dem wir standen. Da sprach Martinus: "Im Namen Gottes befehl ich dir, kehr um." Sofort drehte sich das gefährliche Tier auf das Wort des Heiligen um und schwamm vor unseren Augen auf das andere Ufer hinüber. Während wir alle diesen wunderbaren Vorgang beobachteten, seufzte Martinus tief und sagte: "Die Schlangen hören auf mich, die Menschen aber nicht." 

2. Dialog, 9

Ungefähr zur selben Zeit, als Martinus auf der Rückkehr von Trier begriffen war, rannte ihm eine Kuh in den Weg, die von einem Dämon gehetzt wurde. Sie hatte sich von ihrer Herde getrennt, ging auf Menschen los und hatte schon viele mit ihren verderblichen Stößen durchbohrt. Als sie in unsere Nähe kam, riefen uns diejenigen, die ihr von ferne nachliefen, zu, wir sollten uns in acht nehmen. Nachdem das Tier wutschnaubend, mit verdrehten Augen, uns näher gekommen war, erhob Martinus seine Hand und gab ihm den Befehl, stehen zu bleiben. Auf sein Wort hin blieb das Tier sofort unbeweglich stehen. Mittlerweile sah Martinus auf seinem Rücken einen Dämon sitzen. Diesen fuhr er an und sprach: "Weiche von dieser Kuh, du Unheilbringer, quäle das unschuldige Tier nicht weiter." Der böse Geist gehorchte und wich. Das junge Tier fühlte gar wohl, daß es wieder freigeworden war; zur Ruhe gekommen, fiel es vor dem Heiligen nieder. Dann suchte es auf des Martinus Geheiß wieder seine Herde auf und gesellte sich zur Schar der andern, friedsamer als ein Lamm…

Impulse auf dem Martinusweg
Möge der hl. Martin euch alle Tage leiten! Möge er euch die Worte, Taten und Gesten der Liebe, der Brüderlichkeit und des Mitleids eingeben, die euch helfen zu leben! Seit 1600 Jahren ist er der Fürsprecher beim Vater für all jene, die sich vertrauensvoll an ihn wenden. Wenn ihr ihn bittet, wird er keinen von euch verlassen, keinen von denen, die er auf den gewundenen Wegen des Lebens sich plagen sieht. Am Tor von Amiens schenkte Martin die Hälfte seines Mantels. Möge er unser Vorbild der konkreten und wahrhaften Nächstenliebe bleiben!
Papst Johannes Paul II. Ansprache am 21.9.1996 in Tours

Fürbitten
(Jeweils im Wechsel von 2 Sprecher*innen vorzutragen)

P. Herr Jesus Christus, in diesem Jahr denken wir immer wieder an den hl. Martin. Vor 1700 Jahren im Osten Europas geboren, hat er später im Westen seinen Glauben an Dich, den menschgewordenen Gottessohn, in Wort und Tat glaubwürdig verkündet.
V 1. Dankbar erinnern wir uns an den hl. Bischof von Tours, der in Gallien missioniert hat und in Trier Kranke geheilt, Dämonen ausgetrieben und Kaisern widerstanden hat.
V 2. Herr Jesus Christus, wir bitten für alle, die heute Armen und Bedrängten beistehen, Kranke pflegen und Flüchtlingen Heimat bieten.
Bittruf
V 1. Wie sind froh und dankbar, dass wir in Europa in Frieden und Wohlstand leben dürfen. Wir danken dir für die Geborgenheit, die uns die Heimat schenkt.
V 2. Wir beten für die Menschen, die auf der Schattenseite dieser Welt leben. Kriege, Naturkatastrophen, wirtschaftliche und politische Ungerechtigkeit zerstören Menschenleben und zwingen Menschen, ihre Heimat zu verlassen.
Bittruf
V 1. Seit alters her sind in unserem Land dem hl. Martin immer wieder Kirchen geweiht worden, werden Caritas-Einrichtungen nach ihm benannt.
V 2. Die Zeiten haben sich geändert, Kirchen müssen geschlossen werden. Gib uns, den Seelsorgerinnen und Seelsorgern und den Laien, Mut und Phantasie, heute neue Formen christlichen Lebens zu entwickeln, wie es seinerzeit der hl. Martin getan hat.
Bittruf
V 1. Der hl. Martin lebte in inniger Verbindung mit dir, Christus. Er konnte beten, und er tat es auch im Trierer Dom vor schwierigen Entscheidungen.
V 2. Herr Jesus Christus, uns droht die Verbindung zu Dir abzureißen, Du kommst in unserem modernen Leben nicht mehr vor. Bleibe Du in Kontakt mit uns.
Bittruf
Evtl. aktuelles Anliegen
P. Wir beten gemeinsam:
A. Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt. Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist. Amen
Hans-Georg Reuter

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